Nissan hat schon Elektroautos verkauft, als andere noch ausschließlich in den Kategorien Benzin und Diesel gedacht haben. Doch als die Stromer dann tatsächlich Fahrtaufnahmen machen, wurden die Japaner schnell überholt. Jetzt wollen sie mindestens den Anschluss finden. Noch in diesem Jahr bringt Nissan mit dem Crossover-Coupé Ariya und dem Kastenwagen Townstar zwei reine E-Modelle auf den Markt. Außerdem werden elektrifizierende Brückentechnologien umgesetzt. Eine bestimmte Entscheidung hat man hier sehr richtig getroffen.
Elektrifiziertes Team: Nissan-Modelle Juke Hybrid, Qashqai e-Power und Ariya (von links nach rechts).
Auf seinen Pionierstatus in Sachen Elektromobilität ist Nissan stolz. Auf „zwölf Jahre Erfahrung“ verweist Friederike Kienitz, die unter anderem die Bereiche Recht und Nachhaltigkeit verantwortet. Bereits 2012 habe man den elektrischen Markt in Gang gesetzt, dies mit dem Blatt, der freilich in den „folgenden Jahren ziemlich allein geblieben“ sei.
Das stimmt. Bis die Konkurrenz in großem Stil auf den E-Zug aufgesprungen ist, brauchte es erster Diesel-Skandal und eine deutlich verschärfte Emissionsvorgabe. Im Wettbewerbsumfeld bekam der Leaf dann auf einmal reichlich elektrische Gesellschaft – nicht aber im Modellprogramm von Nissan selbst, sieht man einmal vom Hochdachkombi e-NV200 ab.
Pionier: Der Nissan Leaf ist bereits in dritter Generation unterwegs. 577.000 Einheiten sind verkauft worden.
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Das soll sich nun ändern. „Ambition 2030“ nennt sich eine Unternehmensvision, zu der eine umfassende Elektrifizierungsstrategie gehört. Der Zeitplan sieht vor, dass neue Pkw in Europa – man beachte die räumliche Einschränkung – ab 2023 nur noch mit teil- oder vollelektrischen Antrieben auf den Markt kommen. Bis zum voraussichtlich 2026 rechnet Nissan mit 75 Prozent elektrifizierten Neuwagen in der Region, bis 2030 soll die Übernahme vollständig vollzogen sein. Am offiziellen Produktionsstandort Sunderland entsteht dazu ein sogenanntes EV-Kompetenzzentrum, neben Autos sollen dort auch Batterien gefertigt werden, die erforderlichen Energien stammen aus regenerativen Quellen.
Nissan Ariya: Das elektrische Crossover-Coupé fährt in verschiedenen Akku- und Leistungsstufen vor.
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Noch in diesem Jahr unterstreichen zwei rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) die erwähnten Ambitionen. Da ist zum einen der 4,60 Meter lange Coupé-Crossover Ariya, der – wie der Renault Mégane E-Tech Electric – die speziell für E-Antriebe entwickelte CMF-EV-Plattform der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi nutzt. Das frontgetriebene Basismodell leistet 160 kW/218 PS und nutzt einen 63-kWh-Akku, die Norm verspricht 420 Kilometer Maximal-Reichweite. Bis zu 530 Kilometer Strecke macht – dank 87 kWh Batteriekapazität – die stärkere Variante mit 178 kW/242 PS. Und die Rolle des Topmodells übernimmt der Ariya e-4orce, dem ein zweiter E-Motor an der Hinterachse zu 225 kW/306 PS und Allradantrieb hilft. Zum Wechselstrom-Laden an der heimischen Wallbox oder öffentlichen Ladesäule ist der Ariya serienmäßig mit einem einphasigen 7,4-kW-Onboard-Charger ausgestattet, optional gibt es ein dreiphasiges 22-kW-Gerät. Schnellladen von Gleichstrom geht mit bis zu 130 kW vonstatten.
Proberunde mit dem Ariya
Wir konnten mit dem Ariya bereits erste Proberunden drehen, elektrische Überzeugungsarbeit leistet er durch Ruhe an Bord, ansatzlos-geschmeidige Beschleunigung und ein komfortables wie krisenfest sicheres Fahrverhalten. Auch Preise stehen schon fest, sie beginnen bei 47.490 Euro.
Nissan Townstar EV: Ergänzend zum Kastenwagen wird es eine Passenger-Variante geben.
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Von anderem Zuschnitt ist der zweite neue Stromer. Der 4,50 Meter lange Townstar markiert einen Kastenwagen, der sich die Plattform mit Renault Kangoo und Mercedes Citan teilt, als Verbrenner mit 130-PS-Benziner gehört er bereits zum Nissan-Aufgebot. Zum Jahresende wird eine Elektro-Variante ins Programm aufgenommen, sterben den bereits erwähnten e-NV200 ablöst. Der Elektromotor des Townstar EV leistet 90 kW/122 PS, ein 45-kWh-Akku ermöglicht 300 Kilometer Maximal-Reichweite. Wechselstrom kann mit 11 oder 22 kW geladen werden, Gleichstrom fließt mit bis zu 80 kW. Neben dem gewerblich orientierten Cargo-Modell ist auch eine Passenger-Version avisiert.
Der Leaf wird zum Crossover
Studie Chill Out: Das Concept Car lässt erahnen, wie der nächste Leaf aussehen könnte.
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Nach Ariya und Townstar EV legt Nissan eine elektrische Verschnaufpause ein, bis 2024 der Nachfolger des Leaf debütiert. Der wird kein kompakter Fünftürer mehr sein, sondern ein kleiner Crossover. Auch 2024, möglicherweise aber auch erst 2025, ist dann ein elektrischer Kleinwagen an der Reihe, der vermutlich unter dem bereits eingeführten Namen „Micra“ firmiert und eng mit dem künftigen Renault 5 verwandt ist.
Hybridsystem für den Juke
Dazwischen sagt Arnaud Charpentier, der für die Produktstrategie zuständig ist, werde es verschiedene Modelle geben, die technologische „Brücken bauen“ zwischen der alten Brenner- und der neuen Elektro-Welt. Ab Sommer tut dies beispielsweise der Juke Hybrid, der einen 70 kW/94 PS starken Benziner mit einem Elektromotor (37 kW/50 PS) zusammenspannt. Die kleine 1,2-kWh-Batterie ist nicht extern aufzuladen, sie versorgt sich während der Fahrt mit Strom, nach Herstellerangaben ist über eine Distanz von etwa fünf Kilometern beziehungsweise bis zu einer Geschwindigkeit von 55 km/h rein elektrisches Fahren möglich.
Nissan Qashqai e-Power: Elektrisch mit Verbrenner-Hilfe.
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Und dann wäre da noch der Qashqai e-Power, für den sich Nissan einen besonderen technischen Kniff einfallen hat lassen: Das Kompakt-SUV fährt immer elektrisch, die Stromerzeugung erfolgt allerdings an Bord, mithilfe eines 1,5-l-Dreizylinder-Benziners. Näheres erfahren Sie hier. In den Genuss der e-Power-Technologie wird auch das größere SUV X-Trail gelangen.
Kein Interesse am Plug-in-Hybrid
Bewusst, dass Nissan diesem System den Vorzug gegenüber einem Plug-in-Hybriden gegeben hat. e-Power könnte günstiger angeboten werden, heißt es, das gleiche den Nachteil des Nicht-Gefördert-Werdens wieder aus. Ganz abgesehen davon sei es ohnedies fraglich, wie es mit den staatlichen Subventionen für die PHEVs weitergehe. Das Argument – bereits im vergangenen Jahr vorgebracht – hat sich voraussichtlich des voraussichtlichen Förder-Stopps als voraussichtlich weitsichtig herausgestellt.
Quelle: www.kicker.de